Aus dem Raum nebenan dringt Applaus und Gelächter. „We have a funeral toady“, erklärt uns der Rezeptionist des Campingplatzes, auf dem wir gerade einchecken, als wäre es die natürlichste Sache der Welt, dass ein Leichenschmaus auf einem Campingplatz stattfindet und die Gäste bester Stimmung sind. Bevor ich mich in Mutmaßungen über die Beliebtheit des oder der Verstorbenen verlieren kann, wird meine Aufmerksamkeit allerdings wieder auf den Checkin-Vorgang gelenkt. Auf einer kleinen Karte zeigt der Rezeptionist uns, wo wir stehen können, wo die Duschen, die Küche und der Aufenthaltsraum sind – das übliche Prozedere.

Dieser Campingplatz an einem Strand auf den Lofoten ist der insgesamt fünfte, den wir auf unserer Tour ansteuern, und der erste seit mindestens sechs Wochen. Auf Campingplätzen zu stehen ist bei Vanlifern verpönt, gilt als spießig und konterkariert das Gefühl von Freiheit und Naturverbundenheit, das man gemeinhin mit dem Leben im Van assoziiert und das man als aktiver Vanlifer vermitteln möchte. So eine Haltung ist natürlich im Sommer, wenn es schön warm ist, man abends vor dem Van sitzen, bei offenem Fenster schlafen und sich im nahen See waschen kann, sehr einfach und bequem. Seitdem wir Minusgrade haben, es abwechselnd schneit oder regnet und die Sonne um 15 Uhr untergeht habe ich meine Meinung zu Campingplätzen überarbeitet. Ich genieße es an diesem Abend, mit Mathias in einem warmen Aufenthaltsraum zu sitzen (den wir jahreszeitenbedingt noch dazu für uns allein haben), das Geschirr mit warmem Wasser abzuspülen und eine beheizte Toilette aufzusuchen, wann immer mir danach ist. Selbstverständlich können wir einzelne Aspekte davon auch außerhalb des Campingplatzes finden: Warme Toiletten gibt es an Fährhäfen (dafür ist es da ziemlich laut in der Nacht), unser Bus ist auch schön warm und kuschelig (dort können wir aber nicht aufrecht stehen) und mit Neoprenhandschuhen frieren einem auch beim Outdoor-Abwasch nicht die Finger ab. Aber hin und wieder ist es einfach entspannend und wohltuend, alles das gleichzeitig zu haben – ohne dafür gleich eine Ferienwohnung oder ein Zimmer mieten zu müssen. Auf dem letzten Campingplatz in Finnland gab es sogar eine Sauna zur freien Verfügung sowie extrem freundliche und hilfsbereite Campingplatzbetreiber, die uns bei kleinen Reparaturen geholfen haben. 

Gerade hier, auf den stürmischen und wechselhaften Lofoten, wo uns fast immer der Wind ums Auto bläst und es dauernd drinnen und draußen feucht und nass ist, genießen wir diese eine Nacht Luxuscamping sehr. „Fast ein bisschen Glamping“, stelle ich fest, als wir uns zum Abendessen frisch geduscht am Tisch gegenüber (nicht nebeneinander!) sitzen, mit Kerze in der Mitte. 

Selbstverständlich werden wir ab jetzt nicht jede Nacht auf einem Campingplatz verbringen können. Dafür würde unser Budget nicht einmal ansatzweise ausreichen, außerdem sind die meisten Campinglätze hier in Nordskandinavien um diese Zeit ohnehin geschlossen. Der heutige Camping war ein Glückstreffer, was vielleicht auch mit der Doppelfunktion als Veranstaltungsort zusammen hängt. Und wir sind dann doch Vanlifer genug, dass wir einsame Stellplätze mitten in der Natur und einem schönen Lagerfeuer durchaus zu schätzen wissen. 

Aber wenn ich wieder einmal zwischen Matratze und Spüle eingeklemmt an meinem „Winterarbeitsplatz“ knie und genau in dem Moment auf die Toilette muss, wenn der Sturm unseren Bus so richtig durchschüttelt, frage ich mich schon, ob all diese „Keine-Campingplätze“-Vanlifer immer nur im Sommer, bei bestem Wetter unterwegs sind? Oder vielleicht doch heimlich ihren Van ganz hinten auf dem Campingplatz abstellen, wo sie hoffentlich keiner sieht?

Ich jedenfalls freue mich jetzt schon darauf, wenn wir den nächsten geöffneten Campingplatz finden und wieder ein bisschen „glampen“ können.