Unser Bus schwankt hin und her, während Mathias sich im Fahrersitz von einer Seite auf die andere lehnt. Wir stehen in einer Haarnadelkurve über einer griechischen Bucht, die Aussicht wäre traumhaft schön, wenn es nicht so stark regnen würde. Und wenn unser Bus nicht mit zwei Reifen in der Luft hinge.

Der Stellplatz, den wir heute ansteuern, ist bei der Stellplatz-App als „Offroad“-Stellplatz markiert. Das bedeutet unter Umständen schwieriges Terrain und wir haben bisher meistens versucht, solche Stellplätze zu vermeiden – um das Fahrwerk und Mathias‘ Nerven zu schonen. Denn obwohl unser Bus über Allradantrieb verfügt, ist er nicht unbedingt ein geländegängiges Fahrzeug. Dazu fehlt die Bodenfreiheit sowie ein andere technische Details (die ich mir nie genau merken kann). Seitdem wir in Griechenland sind, sind wir jedoch häufiger auf Straßen und Wegen unterwegs, die unseren kleinen Bus an die Belastungsgrenze bringen. Das liegt zum einen an den griechischen Straßenverhältnissen: Schnell findet man sich hier abseits der Hauptstraßen auf Sand-, Schlamm- und Geröllpisten wieder, auf die uns unser Navi zielsicher steuert. 

Zum anderen liegt es aber auch daran, dass wir seit einigen Tagen zu viert unterwegs sind. An einem besonders schönen und besonders sandig-schlammigen Stellplatz haben wir Sophie und Thomas kennen gelernt, die seit drei Monaten durch Osteuropa reisen. Unter Vanlifern kommt man schnell ins Gespräch und es dauerte nicht lang, bis wir uns über die Vor- und Nachteile von Dachzelten, Campingkochern und tragbaren Spülbecken austauschten. Im Gegensatz zu uns sind die beiden allerdings deutlich offroad-gängiger unterwegs: Bei ihrem Landrover fangen die Fahrprobleme da erst an, wo es für uns schon fast zu spät ist.

Nach einer gemeinsamen Wanderung und einem Pizza-Abend am Lagerfeuer (der Mathias und mir völlig unverhoffte kulinarische Genüsse verschafft und unsere Wunsch-Liste für die Busausstattung um einen sogenannten Dutch-Oven verlängert hat) beschlossen wir, die nächsten Tage gemeinsam zu reisen. Mathias und ich hatten schon häufiger darüber gesprochen, dass es bestimmt schön wäre, mal eine Zeit lang in einer Gruppe zu reisen und gemeinsame Campplätze aufzusuchen, aber bisher keine anderen Vanlifer getroffen, die mit uns auf einer Wellenlänge waren. Dieses Physiotherapeuten-Pärchen aus Schwaben ist anders als die Reisenden, mit denen wir uns bisher unterhalten hatten und wir haben viel Spaß zusammen und genießen es, gemeinsam zu kochen (an einem denkwürdigen Regen-Abend macht Mathias Kaiserschmarren für vier in unserem Bus), zu wandern und gegenseitig Ausrüstungsgegenstände auszutauschen, die den jeweils anderen fehlen. Mathias hat außerdem „a mords Gaudi“ am Kolonnenfahren und dem dazugehörigen Funkverkehr via Walkie-Talkie.

Seitdem haben wir auch weniger Bedenken, was Offroad-Strecken angeht, denn wir wissen, dass uns Sophie und Thomas mit ihrem „Landy“ aus den meisten brenzligen Situationen wieder befreien könnten. Nur gerade jetzt sind wir auf uns allein gestellt. Die beiden sind ziemlich weit weg, auf der Suche nach ihrem verlorenen Wasserfilter (der irgendwo unterwegs liegen geblieben ist) und um eine zugelaufene Katze zurück in ihr Heimatdorf zu bringen.

Wir hängen also ziemlich allein in dieser Kurve fest und haben nur die Möglichkeit, uns selbst wieder frei zu schaukeln. Die Kurve ist wirklich wahnsinnig eng und steil und beim Zurücksetzen (in einem Schwung wären wir niemals rum gekommen) haben zwei unserer Reifen die Bodenhaftung verloren. Vor uns geht es steil die Küstenlinie hinunter, und als einer der beiden stehenden Reifen durchdreht, verstehe ich, was Mathias meint, wenn er sagt, wir bräuchten eine Höherlegung des Fahrwerks. Es benötigt eine Menge Rangieren und noch viel mehr Nerven, bis unser Bus sich im strömenden Regen um diese Kurve gequält hat. Unten in der Bucht angekommen vermeiden wir es, auf allzu sandigem Untergrund zu parken und warten entspannt auf Sophie, Thomas und ihren Landrover – für den Rückweg sind wir vorbereitet.

Auf ihrem Youtube-Kanal „Wild Live Unit“ berichten Sophie und Thomas von ihrer Reise. Reinschauen lohnt sich!