Mathias hat Zöliakie, d.h. er verträgt kein Gluten. Nicht in der Hipster-ich-ess-das-nicht-weil-es-gerade-in-ist-Variante, sondern es geht ihm sehr schlecht, wenn er auch nur kleine Mengen Gluten zu sich nimmt. Leider findet sich das Klebeeiweiß Gluten in vielen Nahrungsmitteln, vor allem Grundnahrungsmitteln wie Brot oder Nudeln. Fast jedes Getreide enthält Gluten, der Verzicht ist für die Betroffenen eine große Herausforderung. Wenn man, so wie wir, monatelang reist, verkompliziert sich für Zöliakie-Patienten die Ernährung noch mehr. Hier erzählt Mathias, wie er das meistert und gibt Tipps zum glutenfreien Reisen.

Wie ernährst du dich unterwegs?

Morgens esse ich meist glutenfreie Haferflocken, von denen wir einen halben Sack aus Österreich mitgebracht haben. Zwischendurch zum Jausen (dt. vespern) glutenfreies Brot, und ansonsten viel Reis oder Eintöpfe mit Linsen oder Kichererbsen. Eigentlich ernähre ich mich nicht sehr viel anders als daheim, aber es beschränkt sich eher auf die einfachsten Gerichte, weil wir oft nicht großartig kochen können. Glutenfreie Nudeln mit Pesto ist ein Klassiker. 

Wie klappt es, auf 3 Quadratmetern mit jemandem, der Gluten isst? Wie organisiert man sich?

Die andere Person muss Rücksicht nehmen und wissen, was es für Auswirkungen hat, wenn sie nicht gut aufpasst. Man muss super organisiert sein, man muss streng trennen und alles gesondert verpacken und aufbewahren. Wenn man z.B. beim Jausen Brot schneidet, muss man aufpassen, dass man nicht so viel bröselt oder noch Brot mit Gluten am Toaster klebt. Es ist schon alles komplizierter, aber mit Rücksicht geht’s. Schritt für Schritt wird man dann strukturierter und lernt, welcher Ablauf beim Kochen und Essen am besten funktioniert.

Wo bekommt man unterwegs glutenfreie Lebensmittel?

Bisher hat es in vielen Ländern, in denen wir waren, dm gegeben, da bekommt man eigentlich immer eine Auswahl. Und ansonsten in den großen Städten. Generell sollte man, wenn man Zöliakie hat, die größtmöglichen Supermärkte ansteuern, die es gibt. Die haben oft glutenfreie Produkte und manchmal sogar günstiger als bei uns. Ich hab zum Beispiel in einem Supermarkt in Serbien glutenfreie Nudeln für 1,40 Euro pro 400 Gramm gefunden – das ist genial billig. Da lohnt es sich, sich mal durchzuprobieren. 

Hin und wieder haben aber auch kleinere Geschäfte, bei denen man es nicht unbedingt erwartet hätte, ein minimales Sortiment an glutenfreien Sachen.

In welchem Land war es für dich bisher am einfachsten? Und am schwersten?

Am schwierigsten war es bisher in Montenegro, auch weil es sehr teuer war. Am leichtesten war es in Kroatien, da gab es wirklich viel Auswahl.

Welche Situationen sind besonders herausfordernd und wie löst du sie?

Gassparend zweierlei Nudeln auf einem Gaskocher kochen. Wir haben einen Topf und eine Flamme. Daher koche ich erst meine glutenfreien Nudeln, fische sie aus dem Wasser, und damit kann man dann die anderen Nudeln kochen. Das ist etwas umständlich, aber generell gilt bei solchen Problemen: Immer erst alles, was glutenfrei ist, fertig herrichten. Und wenn das auf meinem Teller ist, kann der andere machen, was er will und es gibt keine Kreuzkontamination mehr. Am einfachsten ist es natürlich, wenn der andere auch glutenfreie Nudeln isst, das ist auf Dauer aber ziemlich teuer und man weiß nie, wann und wo man seine Vorräte wieder auffüllen kann.

Wie ist es mit glutenfrei essen gehen?

Das ist eigentlich immer ein Problem, zuhause wie auch im Ausland. Wenn man die Landessprache beherrscht, ist es natürlich einfacher. Jemandem, der einen kaum versteht, zu erklären, dass man Zöliakie hat, ist fast unmöglich. Die meisten kennen das nicht. Idealerweise hat man die Sätze schon bereit und kann erklären, was das Problem ist. Mehl, Gluten – das sind Worte, die man können sollte. Der Keller muss wirklich verstehen, dass kein Gluten im Essen sein darf.

Oder man informiert sich vorher, welche Speisen in dem Land glutenfrei sind. Meistens sind es gegrillte Sachen, Fleisch allgemein geht ganz gut, oder Gemüse oder Kartoffeln. Um auf Nummer Sicher zu gehen, muss man eben viel kommunizieren.

In Novi Sad, in Serbien, haben wir einmal einen Burgerladen gefunden, wo der Kellner wirklich kompetent geantwortet hat. Da hatte ich dann auch keine Bedenken und es hat super gepasst und geschmeckt.

Welche Tipps hast du für andere Zöliakie-Patienten, die monatelang unterwegs sein wollen?

Je nachdem, wie sie reisen: Bunkert so viel, wie möglich! Idealerweise Sachen mit langer Haltbarkeit. Informiert euch vorher, was man wo kaufen kann. Und ansonsten keine Panik: Reis, Mais und Kartoffeln sollten bei jedem Zöliakie-Patienten auf der Speisekarte stehen und das bekommt man überall. Außerdem die Reiseroute so legen, dass man hin und wieder durch größere Städte kommt, wo man auffüllen kann.

Gibt es etwas, das dir total fehlt, seitdem du unterwegs bist?

Kaierschmarrn! Aber vor allem fehlt es mir, sofort auf das zugreifen zu können, auf das ich Lust habe. Durch den begrenzten Platz hat man nicht immer alles dabei und gerade bei glutenfreien Sachen kann es dauern, bis man etwas wieder bekommt.