on the happyroad

Vom Balkan zum Nordkap

Autor: Sarah (Seite 1 von 2)

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Duschen hinter Stacheldraht

Das kleine Holzschild ist kaum zu erkennen. Es hängt denkbar unauffällig von der Decke des Wellblech-überdachten Ganges, der sich an ein schmuckloses dunkelgrünes Holzgebäude anschließt. Typ Schulgebäude, mit Flachdach, drei Stockwerken und einer Eingangstür aus Glas, die in der Mitte einen braunen Holzbalken zum Öffnen hat. Durch so eine Tür bin ich jeden Tag in mein südwestdeutsches Gymnasium gegangen. „Uimahalli“ steht auf dem Holzschild, das in das Gebäude weist.

Mathias und ich trippeln in diesem Moment noch etwas unentschlossen auf dem Parkplatz vor dem grünen hin und her . „Die anderen sind auch einfach rein gegangen“, sagt Mathias und deutet auf das Schild. Wir sind hierher gefahren, an den Rand von Sodankylä, einer größeren Stadt in Lappland, weil wir uns duschen wollen. „Uimahalli“ bedeutet Schwimmhalle und seitdem es zu kalt ist, um sich in den finnischen Seen zu waschen, suchen wir hin und wieder eine Uimahalli auf. Hier kann man – meistens für sehr wenig Geld – die zum Schwimmbad gehörenden Duschen benutzen und weil wir in Finnland sind, ist selbstverständlich auch immer eine Sauna dabei. 

Dieses Mal allerdings sind wir etwas zögerlich. Zwischen uns und dem Gebäude, in dem sich die Uimahalli befinden soll, steht ein hoher Eisenzaun, obendrauf sind zwei Lagen Stacheldraht gespannt. Es sieht, gelinde gesagt, nicht besonders einladend aus. Aber GoogleMaps und das Holzschild sind sich einig: Wir stehen vor der öffentlichen Schwimmhalle Sodankyläs. Auch wenn ich nicht recht erkennen kann, wo sich auf dem stacheldrahtumzäunten Gelände eine Schwimmhalle befinden soll. Wir beschließen, noch etwas abzuwarten und zu beobachten. Nachdem der dritte Rentner mit einer riesigen Sporttasche über der Schulter durch eine Eisentür im Zaun gegangen und in dem grünen Gebäude verschwunden ist, reicht es Mathias: „Wir gehen da jetzt auch rein“, beschließt er. Ich klemme mir meinen Kulturbeutel und die Badelatschen unter den Arm und folge Mathias, der entschlossen das grüne Gebäude ansteuert. 

Mittlerweile ist es ziemlich winterlich hier in Nordfinnland. Nachts haben wir immer Minusgrade und tagsüber meist nur knapp über Null Grad. Unser Alltag hat sich dadurch sehr verändert und wir müssen uns auf diese neuen Bedingungen noch einstellen. Bis vor kurzem haben wir uns hauptsächlich in Seen und Flüssen gewaschen oder unsere Outdoor-Dusche am Bus benutzt. Das letzte zähneklappernde Seebad ist erst ein paar Tage her, aber schon da hat es nur noch für eine Katzenwäsche gereicht und Haarewaschen habe ich gar nicht mehr über mich gebracht. Mehr oder weniger durch Zufall sind wir auf die Möglichkeit mit den Uimahallis gestoßen und haben unsere Route so geplant, dass wir bis Norwegen regelmäßig alle paar Tage eine Schwimmhalle ansteuern können. Wenn man in einem so kleinen Camper wie unserem unterwegs ist, muss man immer wieder Abstriche machen. Eine Dusche jeden Morgen oder Abend, gar mit warmem Wasser, ist ein Luxus, den wir schon lang nicht mehr haben. 

Im Inneren des grünen Gebäudes sieht es tatsächlich aus wie in einer Schule zur Ferienzeit: ein graues Treppenhaus, lange leere Gänge, in einer Ecke steht schweigend ein kaputter Snackautomat. Wir schauen uns ein wenig um und sehen ein Wappen an der Wand, unter dem „Finnische Grenzpolizei“ steht. Wir befinden uns also in einer militärischen Einrichtung. Nichts rührt sich und wir fragen uns, wohin die Rentner alle verschwunden sind, bis ich eine blaue Linie entdecke, die in den Keller führt. 

Unten sitzt ein sehr freundlicher Herr in einem kleinen Bezahl-Häuschen, knöpft uns drei Euro für zwei Stunden Sauna ab und zeigt uns serviceorientiert die Umkleidekabinen. Wir haben die Uimahalli gefunden.

Als ich wenig später unter der wohlig-heißen Dusche stehe, denke ich darüber nach, wie wenig man diese Dinge im Alltag zu schätzen weiß. Und nehme mir fest vor, mich nach unserem Vanlife-Abenteuer immer wieder darüber zu freuen, dass ich einfach nur das warme Wasser andrehen und mich nicht erst auf militärisches Gelände begeben muss. 

Sauna-Barbecue

„Was soll das heißen: Es ist kein Holz da?“ Überrascht schaue ich Mathias an, der gerade aus dem Brennholz-Schuppen auf den moosigen Waldboden tritt. Er zuckt mit den Schultern und zeigt hinter sich. „Das Lager ist leer“, informiert er mich dann. „Da sind nur noch ein paar letzte Scheite drin“. Ich lasse mich frustriert auf der Bank neben dem Lavu nieder. Wir sind ungefähr eine Stunde durch den finnischen Wald zu diesem Picknickplatz gestapft, um den Tag ganz landestypisch zu verbringen: Wandern, Sauna, Barbecue – der Finnen liebste Freizeitbeschäftigungen. Dass es dafür nicht nur Schutzhütten mit Feuerstelle, sondern, wie hier, auch eine Jedermann-Sauna im Wald gibt, ist allerdings nicht der Normalfall. Als schmalbudgetierte Vollzeitreisende im finnischen Herbst können wir die Gelegenheit einer Gratis-Sauna (und Wäsche) nicht liegen lassen und haben für diese Wanderung einen beträchtlichen Umweg in Kauf genommen. Umso enttäuschender, dass wir scheinbar zu einem ungünstigen Zeitpunkt gekommen sind und Wanderer vor uns den Holzvorrat, den die Gemeinden an solchen Plätzen zur Verfügung stellen, aufgebraucht haben. Wie zum Hohn glimmen in der Feuerstelle noch ein paar letzte Kohlen träge vor sich hin. 

Frustriert schnallen wir die Rucksäcke ab und umrunden langsam Schutzhütte, Plumpsklo und Sauna, um vielleicht doch noch brennbares Material zu finden – schließlich befinden wir uns im Wald, wie ich lautstark kund tue, „da muss man doch ein Feuer machen können!“. Doch unsere Ausbeute ist ernüchternd und ich muss mich mit dem Gedanken anfreunden, dass aus dem typisch finnischen Nachmittag heute nichts wird. Wir starren eine Weile resigniert auf die wenigen trockenen Zweige, die wir zusammentragen konnten, dann spricht Mathias das Offensichtliche aus: „Sauna oder Barbecue – für beides reicht’s auf keinen Fall!“ „Na dann Barbecue“, sage ich, hungrig vom Wandern und mit dem Gedanken an die finnischen Grillwürste in meinem Rucksack. Gleichzeitig fügt Mathias hinzu: „Ich heiz dann mal die Sauna an.“

In Finnland gibt es Schätzungen zufolge zwischen zwei und drei Millionen Saunen. Das bedeutet, dass theoretisch alle Finnen gleichzeitig in die Sauna gehen könnten und sogar noch Platz für ein paar Touristen wäre. Die Art und Weise, wie man in Finnland in die Sauna geht, unterscheidet sich jedoch stark von der Saunakultur in Deutschland. Der Grundmechanismus ist zwar derselbe – es ist ziemlich heiß und man kühlt sich hinterher ordentlich ab -, aber in Finnland ist die Sauna eine zutiefst soziale Angelegenheit. Hier werden Probleme gewälzt, ernsthafte Gespräche geführt, getratscht, gelacht und angeblich sogar politische Entscheidungen getroffen. Die Sauna ist ein Ort, an dem Familien zusammenkommen und Freundschaften gepflegt werden. Ich habe in öffentlichen Saunen (die übrigens streng nach Geschlechtern getrennt sind) auch schon sehr junge und sehr alte Menschen getroffen. Saunieren ist hier weit entfernt vom kinder- und störungsfreien Schweige-Wellness, das in deutschen SPAs und Saunatempeln praktiziert wird. Die Finnen tauen in der Sauna wortwörtlich auf, werden hier erst richtig gesprächig und zischen nicht selten rülpsend ein Bierchen, während sie beständig Wasser auf die heißen Steine kippen.

Man hält in Finnland auch nichts von „Ruhepausen“ zwischen den einzelnen Saunagängen, wie sie bei uns häufig angemahnt werden. Raus aus der Sauna, rein in den kalten See, und während das Herz-Kreislauf-System noch den Kälteschock überwindet, sitzt der Finne schon wieder auf dem Holzbänkchen und öffnet sich das nächste Bier. 

Davon sind Mathias und ich in diesem Moment aber noch weit entfernt. Ein handfester Interessenskonflikt bahnt sich an: Sauna oder Grillen? Ich argumentiere, getrieben von meinem grummelnden Magen, dass Sauberkeit sowieso überbewertet wird, und Mathias weist darauf hin, dass Gratis-Saunen in der Regel seltener vorbeikommen als Supermärkte und wir schließlich nur deswegen hierher gewandert sind. 

Am Schluss ist die Lösung so einfach wie naheliegend: Während Mathias den Saunaofen anheizt, suche ich zwei lange Stecken im Wald und spitze die Enden an. Nachdem wir beide ausgiebig geschwitzt und gebadet haben, ist im Saunaofen gerade noch genug Glut, um zwei Würstchen darüber zu grillen. 

Ein finnisches Schnäppchen

Die Unterhose, die Mathias gerade grinsend in die Höhe hält, ist türkis und hat einen Gummizug in Regenbogenfarben. Lange Beine und ein seitlicher Eingriff machen das Kleidungsstück perfekt. „Was meinst du?“ fragt er mich grinsend, und ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob das eine ernst gemeinte Frage ist und er tatsächlich den Kauf dieser individuell-kreativen Unterbekleidung erwägt. Ich rette mich in ein verlegenes Lachen und verschwinde schnell im nächsten Gang.

Seitdem wir in Finnland sind, die Tage kühler und kürzer werden, haben wir eine neue Lieblings-Freizeitbeschäftigung gefunden, die typisch finnisch ist: Kirppis. Zu deutsch Flohmarkt, obwohl das das Konzept nicht ganz beschreibt. Kirppis, oder Kirpputori, ist eher eine Mischung aus Trödelmarkt und Sozialkaufhaus und es gibt in jeder größeren oder kleineren Stadt mindestens einen. Meist in Lagerhäusern, deren Fläche mit Regalgängen gefüllt ist, die wiederum in einzelne Parzellen unterteilt sind. Das Prinzip funktioniert so: Man mietet sich eine dieser Parzellen und packt alles rein, was man loswerden möchte. Mit Preisschild und Nummernetikett versehen, können die Käufer die Sachen zur zentralen Kasse bringen. Es gibt sogar Kirppise, wo man mit der Kreditkarte bezahlen kann. Die Verkäufer bekommt man nicht zu Gesicht, obwohl wir uns gern einen Spaß daraus machen, uns die Vorbesitzer anhand der Sachen, die sie zum Verkauf anbieten, vorzustellen. Mann, Frau, groß, klein, alt, jung? Bei der regenbogenfarbenen langen Unterhose versagt mir allerdings die Fantasie, und ich hoffe nur, dass ich den zukünftigen Besitzer nicht bereits vor ein paar Monaten kennen gelernt habe.

Kirppis bietet dementsprechend ein Sammelsurium aus den unterschiedlichsten Gegenständen in den unterschiedlichsten Aggregatszuständen. Von der bestens erhaltenen Motorradkluft bis zur abgewetzten Babypuppe ist alles dabei. Aber zwischen ziemlich viel KrimsKrams, Rumsteherlen und Schrott findet man immer wieder kleine Schätze und Nützliches (ich bereue es immer noch, dass wir im letzten Kirppis die Heizdecke für 5 Euro liegen lassen haben). In Kokemäki beispielsweise habe ich mich für 21 Euro komplett neu eingekleidet – inklusive Schuhe und Schal. Und so schlendere ich jetzt durch die Gänge auf der Suche nach einem neuen Kochtopf  – bei unserem ist der Griff abgebrochen – oder dem ein oder anderen Schnäppchen. Während Mathias noch durch die Herrenabteilung stöbert, gehe ich in den Nebenraum. Und erspähe, unter einem Papppferd und einer Kinderwiege, die von der Decke baumeln, eine große Auswahl an – ich kann es selbst kaum glauben – Langlaufskiern. Die Temperaturen hier in Nord-Ost-Finnland, kurz vor der russischen Grenze, legen den Gedanken an die ein oder andere Langlauftour bereits nahe und ich habe es schon bereut, dass ich keine Skatingski dabei habe. Schnell baue ich mich vor der Langlaufabteilung auf, mit möglichst breitem Kreuz, um anderen Schnäppchenjägern den Blick auf meine potenzielle Beute zu versperren. Der erste Blick ist etwas ernüchternd. Die meisten Ski haben völlig veraltete Bindungen, tiefe Kratzer oder schlicht die falsche Größe. Ich lehne mich nach vorne, wühle noch etwas tiefer und ziehe schließlich einen blauen Skatingski hervor. Der Schnellcheck lässt hoffen: Die Bindung sieht ordentlich aus, die Kratzer sind nicht allzu tief und er hat genau die richtige Größe. 

„Die tun’s noch eine Weile“, befindet der eilends herbeigerufene Ski-Experte aka Mathias. Und auch dem Belastungstest auf dem Scheunenboden halten die Ski stand. Mit klopfendem Herzen trage ich die Bretter zur Kasse, um den Preis zu erfragen – unser Budget gestattet eigentlich keine größere Anschaffung. Die ältere Dame (es sind immer ältere Damen, die bei Kirppis an der Kasse sitzen und gleichzeitig Kuchen verkaufen) schürzt die Lippen und wiegt den Kopf hin und her, als ich ihr fragend die Ski entgegen strecke. Gehandelt wird im Kirppis nicht, „nimm’s oder lass es“ ist die Devise. „Fünf Euro“ lautet ihr Urteil. 

Seither fahren wir ein drittes Paar Ski auf dem Dachträger herum. Der Winter kann kommen.

Der (un)sympathische Koch für unterwegs

Das Wasser kocht schon nach wenigen Minuten. Schnell ziehe ich den Kopf zurück, als ein Windstoß in den Ofen fährt und die Flammen auflodern lässt. Mathias hat sich schon häufiger den Bart versengt und abgebrannte Haare sind definitiv eine Vanlife-Erfahrung, die ich nicht machen muss. Der hat ganz schön Power, denke ich, füttere den Ofen aber trotzdem weiter mit kleinen Zweigen. 

Seit ein paar Tagen sind wir zu dritt unterwegs. Im Gegensatz zu anderen Vanlifern bedeutet das bei uns aber nicht, dass wir ein Hundebaby adoptiert haben, das fortan mit uns durch Europa reist. Sondern wir haben letzte Woche in Helsinki den Rest unseres – ohnehin sehr schmalen – Monatsbudgets in einen sogenannten „hobo stove“ investiert. Ein kleiner, zusammenklappbarer Holzofen aus Metall, der sich perfekt in unser Bücherregal schieben lässt und hoffentlich in den nächsten Monaten unser Energieproblem löst. In den letzten Tagen ist er jedenfalls bereits zu einem unverzichtbaren Reisegefährten geworden.

Schließlich wollen wir den Herbst und Winter in Skandinavien verbringen – bei Minusgraden und wenig Licht. Bisher haben wir immer mit Gas gekocht oder mühevoll ein großes Lagerfeuer entzündet. Wie alles andere sind die Gaskartuschen für unseren Kocher in Skandinavien allerdings unglaublich teuer und Lagerfeuer machen dauert häufig so lang, dass wir eigentlich schon anfangen müssten, bevor wir Hunger bekommen. Der kleine Hobo dagegen frisst nur trockenes Holz, das, zumindest jetzt noch, überall ausreichend und umsonst verfügbar ist und ist in wenigen Sekunden von Null auf Hundert. Zu unserem Tagesablauf addiert das allerdings die Aufgabe, kleine, trockene Äste zu sammeln und in handlange Stücke zu brechen. Davon fahren wir seit neustem immer einen kleinen Sack voll mit uns herum (als wäre der Bus nicht schon beladen genug).

Außerdem können wir, obwohl wir den „big angry stove“, die größte verfügbare Variante, genommen haben, immer nur einen Topf erhitzen. Nudeln oder Soße: Eins von beidem wird immer kalt.

Aber während ich im Sand knie und dem Hobo einen Zweig nach dem anderen in sein gefräßiges Maul schiebe, rauscht hinter mir die finnische Ostsee. Mathias ist gerade dabei, den Tisch vom Dach zu schrauben, die Stühle unter dem Schrank hervor zu ziehen und alles am Strand aufzustellen. Beim Essen werden wir aufs Meer schauen und uns trotz allem unglaublich privilegiert fühlen, während wir unsere kalte Pasta kauen. 

Nur einen gravierenden Nachteil hat der Hobo: Die Glut reicht selten zum Marshmallows rösten.

Eine einschlägige Erfahrung

Es ist ja nicht so, als wären wie nicht gewarnt worden. Vor ein paar Tagen haben wir in Rumänien zwei Tramper mitgenommen, ein Pärchen aus der Ukraine, wie sich herausgestellt hat. Natürlich haben wir die Gelegenheit genutzt und sie ein bisschen über ihr Land ausgefragt. Viel wussten sie nicht zu sagen, aber eins hat der Mann nachdrücklich und mehrfach wiederholt: „Roads in Ukraine are very bad!“ Jaja, kennen wir, haben wir abgewunken, in Rumänien und auf dem Balkan auch. „No no“, hat er betont, „really bad. Really really bad!“

Daran erinnere ich Mathias, der, während wir jetzt über diese „really bad roads“ rumpeln, ziemlich verspannt auf dem Beifahrersitz sitzt, als wäre es sein Fahrgestell, das in diesem Moment so schwer gebeutelt wird, nicht das des Busses. „Der Typ hat’s uns doch gesagt“, klugscheiße ich, obwohl ich mir eingestehen muss, dass ich die Straßenverhältnisse ebenfalls unterschätzt habe. „Können wir nicht über eine größere Straße fahren?“ fragt Mathias gequält. „Das ist die größte Straße hier in der Gegend“, erwidere ich, während ich das Lenkrad scharf nach rechts reiße, um einem besonders tiefen Krater auszuweichen. 

Wir sind unterwegs in Richtung Lemberg/Lviv, und haben uns für die Strecke durch Transkarpatien entschieden, in der Hoffnung, hier bessere Stellplätze, frisches Wasser und weniger Hitze zu finden. Das spielt im Moment allerdings alles keine Rolle, denn wir sind ganz darauf konzentriert, unseren Bus unbeschadet über dieses Minenfeld von einer Straße zu manövrieren. Rund 45 Kilometer haben wir schon geschafft, noch mindestens 40 liegen vor uns. Dafür werden wir vermutlich den restlichen Tag benötigen, denn aktuell quälen wir uns mit 20 bis 25 kmh dahin. Die Straße verdient die Bezeichnung Straße eigentlich überhaupt nicht. Es handelt sich im besten Fall um eine Aneinanderreihung von Asphaltflicken, im schlimmsten Fall sind die Schlaglöcher so groß, tief und so eng beieinander, dass der Bus immer wieder aufsitzt. An den Rändern franst der Asphalt aus, als hätten große Nagetiere in angeknabbert, manchmal bricht er auch in einer scharfen – und tiefen – Kante ab. Das Fahren erfordert vollste Konzentration. Trotzdem ist es nahezu unmöglich, allen Schlaglöchern auszuweichen. Meistens kann ich nur in Sekundenschnelle entscheiden, WELCHES Schlagloch ich mitnehme. Das OB ist schon längst keine Option mehr. Manchmal hilft es, neben der Straße auf dem Schotter zu fahren, allerdings nur, wenn der Streifen breit genug ist.

Diese Umstände führen dazu, dass jedes Fahrzeug, egal ob Auto, LKW oder Moped, in Schlangenlinien fährt. Es ist ein wildes Durcheinander, in dem jeder versucht, die beste Linie zu finden. Fahrspuren existieren nicht und auch die Geschwindigkeiten sind sehr individuell. Wir werden von alten, rostigen Ladas überholt und kriechen hinter riesigen, vollbeladenen Lastwagen her. Irgendwann lässt Mathias etwas Luft aus den Reifen, damit es uns nicht mehr ganz so wild hin und her schlägt. Noch nicht mal mein Standard-Satz für schlechte Straßen – „Lukomir war schlimmer!“ – lässt sich hier anbringen: Das hier ist definitiv schlimmer als unser Trip nach Lukomir!

Der Ritt durch die ukrainischen Karpaten dauert tatsächlich noch den ganzen Tag. Als wir endlich, am späten Nachmittag, einen Stellplatz gefunden haben, meine ich, sogar unseren Bus erleichtert aufatmen zu hören. „Ab jetzt fahren wie nur noch Autobahn – und wenn‘s ein Umweg von 100 Kilometern ist!“, sagt Mathias.

Na schauen wir mal.

Milch in der PET-Flasche

Der Mann nähert sich unserem Lagerfeuer, unter dem Arm ein paar lange Stöcke und Äste. Er geht nicht ganz gerade, aber ob es am unebenen Untergrund liegt, an der Bergwiese, auf der unser Bus heute parkt, können wir nicht erkennen. Als er beim Lagerfeuer ankommt, lässt er das Holz fallen, deutet abwechselnd auf unser Feuerchen, unsere Axt und das Holz, und lässt einen rumänischen Wortschwall vom Stapel. Unser Wortschatz beschränkt sich nach wie vor auf „Prost“, „gute Fahrt“ und „vielen Dank“, aber seine Gesten machen klar, dass er uns das Holz für’s Feuer gebracht hat, das er ein wenig zu klein findet. Mit beiden Armen wedelnd fordert er uns auf, noch einmal mit ihm Holz suchen zu gehen – das können wir kaum abschlagen, unser Holzstoß ist tatsächlich etwas mickrig. „Der ist betrunken“, raunt Mathias mit während des Holzsammelns zu. Und tatsächlich, unser Kollege schwankt über die Wiese wie ein Landei bei Seegang. Als wir genug Holz gesammelt haben, spendieren wir ihm ein Bier zum Dank, das er, neben unserem Feuer sitzend, genüsslich trinkt. Er hat ein offenes Gesicht, wettergegerbt, und sein Hirtenstab weist ihn als einen der Männer aus, die den ganzen Tag mit ihren Kühen oder Schafen durch die Berge ziehen. Am Feuer sitzend redet er ununterbrochen auf uns ein, die Tatsache, dass wir nichts verstehen, scheint ihn nicht zu stören. Als die Bierflasche leer ist, gibt er jedem von uns die Hand und wackelt fröhlich pfeifend den Pfad hinunter.

Ein paar Tage später mühe ich mich gerade fluchend damit ab, mit Holzstücken, die man bestenfalls als halbtrocken bezeichnen könnte, ein Feuer in Gang zu bringen. Wir haben unser Lager am Rande eines kleinen Dorfes am Bach aufgeschlagen, durch die Bäume sehen wir gerade noch die letzten Bauernhäuser und Kuhställe. Um uns herum dichter Nadelwald, der noch dampft vom letzten Regenguss. Eine alte Frau mit einem kleinen Mädchen an der Hand, beide mit Kopftuch und Gummistiefeln, kommt den Bach entlang auf mich zu. Hoffentlich hat sie nichts dagegen, dass wir hier nächtigen, denke ich. Bisher haben wir nur gute Erfahrungen gemacht, aber natürlich kann man nie sicher sein, wie Einwohner reagieren, wenn plötzlich ein Camper am Dorfrand steht. Neben mir angekommen streckt die Kleine schüchtern die Hand aus. Mit ein bisschen Ermutigung von ihrer Oma gibt sie mir schließlich eine Handvoll wilder Himbeeren. „Multumesc“, sage ich und denke zum wiederholten Mal, wie freundlich die Rumänen doch sind. Dabei erinnere ich mich an eine Szene kurz vor unserer Abreise, als wir meine Eltern im Südwesten besucht haben.

Meine Mutter und ich standen auf einen kurzen Tratsch mit der Nachbarin auf der Straße. Baden-Württembergisch-ländliche Frühsommeridylle, blauer Himmel, blühender Flieder und angenehme 25 Grad. Ich erzählte der Nachbarin, eine Frau im selben Alter wie meine Mutter, von unseren Reise- und Vanlifeplänen, wo es hingeht und wie lang. Sie schaute irgendwann zu meiner Mutter und fragte: „Hast du da keine Angst, wenn sie in solchen Ländern unterwegs ist?“ Mit solchen Ländern meinte sie den Balkan und Rumänien. Meine Mutter hat damals sehr locker reagiert und gesagt: „Nein, wieso? Da war ich auch schon überall, die Leute sind total nett.“

Nachdem wir bereits drei Wochen in Rumänien unterwegs sind, haben wir in erster Linie eins festgestellt: Rumänien und die Rumänen sind deutlich besser als ihr Ruf. Wir haben uns noch nie unsicher gefühlt, bedroht oder auch nur unwillkommen. Den Gasmelder, den wir als Sicherheitsmaßnahme in unseren Camper eingebaut haben, haben wir in Rumänien noch nie benutzt. Keiner hat versucht, uns über’s Ohr zu hauen, zu betrügen oder zu bestehlen. Im Gegenteil, die meisten Leute sind sehr freundlich, neugierig und offen und versuchen häufig, sich mit uns zu unterhalten (auch wenn es mangels Fremdsprachenkenntnisse nicht immer einfach ist). 

Darüber denke ich nach, während ich mich weiterhin mit dem Feuer abmühe. Plötzlich steht die alte Frau wieder vor mir und reicht mir einen Eimer mit trockenem Holz. Meine gestammelten Dankesbekundungen winkt sie ab und geht wortlos zurück ins Dorf. 

Eine halbe Stunde später, das Feuer wärmt und mittlerweile die Zehen, sind Mathias und ich immer noch baff von so viel Freundlichkeit. Aber diese Dorfbewohner setzen noch einen drauf. Ein älterer Mann steht auf einmal neben dem Bus, reicht uns eine große PET-Flasche, die dem Etikett nach zu urteilen einmal Pfirsicheistee enthalten hat, und sein Handy, das Mathias sich ans Ohr drückt. Am anderen Ende sagt ein junger Mann in perfektem Englisch: „This man is my father. He wants to give you two litres of milk. Is there anything else we can help you with or that you need?“ Jetzt sind wir völlig geflasht und fangen an, uns Sorgen zu machen, ob wir schon so abgerissen und bedürftig aussehen, dass die Leute uns Almosen geben? Wir nehmen die Milch dankend an, lehnen aber alle anderen Angebote ab und als der alte Mann zurück ins Dorf geht beschließe ich, mir am nächsten Tag mal wieder die Haare zu waschen. 

Gewitter

Den ersten Lagerkoller bekommen wir, als wir seit ungefähr sechs Wochen unterwegs sind. Die letzten drei Tage haben wir an einem Stausee in den Bergen des Retezat Nationalpark gecampt. Schon bei unserer Ankunft hing grollend ein Gewitter in den Bergen, das sich in der Nacht lautstark und bildgewaltig über uns entladen hat. Der Beginn einer Schlechtwetterfront, die neben Regen vor allem kalte Luft gebracht hat. In diesen drei nebeldunstigen Tagen, die wir, noch sonnen- und sommerverwöhnt, darauf gewartet haben, dass es endlich genug aufklart um wandern zu können, ist zwischen Mathias und mir auch ein Unwetter aufgezogen, das sich heute Abend entladen soll.

 „Ich weiß nicht, ist mir egal“, sage ich achselzuckend und bleibe demonstrativ im Bus sitzen. Wir suchen seit ungefähr einer Stunde einen Stellplatz in den grünen waldigen Hügeln um Sibiu. Eigentlich wollten wir heute Morgen zeitig los, aber bis wir all unseren Kram verstaut hatten, hat es wieder einmal länger gedauert, als uns lieb ist. Zwar hat jedes Teil in unserem Bus seinen Platz, aber hin und wieder definieren Mathias und ich diesen Platz sehr unterschiedlich. Während ich beispielsweise meine Sonnenbrille am liebsten irgendwohin lege, legt Mathias sie immer aufs Armaturenbrett.Kompliziert wird die Sache, wenn einer von uns meint, einen besseren Platz für einen Gegenstand gefunden zu haben, ohne das dem anderen mitzuteilen. Auch wenn wir von Woche zu Woche effizienter werden: Die Wahrheit ist, dass wir einen großen Teil unseres Alltags damit verbringen, Dinge hin und her zu räumen und anschließend zu suchen. Für jemanden wie mich, mit einem eher kreativen Verständnis von Ordnung, kein Problem. Für Mathias, mit einem praxisorientierten Verständnis von Ordnung, eine mittelschwere Katastrophe. Ein erstes Krisengespräch am vergangenen Abend verlief ungefähr so wie die Debatten im UN-Sicherheitsrat. Jeder sagt seine Meinung, aber am Schluss gibt es keine gemeinsame Resolution.

So sind wir heute Morgen also bereits mit einem Bussegen in Schieflage gestartet. Ich habe außerdem Migräne und schon den ganzen Tag unterschwellig schlechte Laune. Was genau mich an dem Stellplatz, den Mathias in den Hügeln gefunden hat, stört, kann ich gar nicht sagen. Es ist ruhig, die Aussicht reicht über halb Siebenbürgen, wir stehen nicht auf Privatgrund und für eine Nacht ließe es sich hier absolut aushalten. 

„Also i find’s a guats Platzl“, versucht Mathias mich in seinem schönsten österreichisch zu überzeugen. Ich schaue auf den malerischen Feldweg, auf dem wir stehen, die Blumenwiese neben dem Bus, das traditionelle rumänische Kreuz an der Weggabelung und die himmelweite Aussicht: Ich finde es zum Kotzen. „Hrpmf“, grumpfe ich vor mich hin, die Arme trotzig vor der Brust verschränkt. Ich muss Mathias gar nicht anschauen, ich kann sein Augenrollen förmlich spüren. „Okay, was genau passt dir denn nicht an dem Platz?“, fragt er, und ich höre, wie er sich krampfhaft bemüht, nicht genervt zu klingen. Selbstverständlich nervt mich das noch mehr und ich beschließe, gar nichts mehr zu sagen. „Jetzt sag’s halt“, Mathias schafft es immer weniger, einen halbwegs entspannten Tonfall beizubehalten. Ich schweige und die Sekunden ziehen sich wie Gummi-Expander. 

„Das Gras ist mir zu hoch!“, schnappe ich schließlich. Mathias steigt seelenruhig ins Auto, startet den Motor und brettert wortlos den Feldweg hinunter.

An diesem Abend tagt der UN-Sicherheitsrat am Rande einer kleinen Heuwiese, ohne Aussicht und mit einer Meute aggressiver Hirtenhunde vor der Tür. An der gemeinsamen Resolution wird noch gearbeitet.

Glutenfrei reisen – wie geht das?

Mathias hat Zöliakie, d.h. er verträgt kein Gluten. Nicht in der Hipster-ich-ess-das-nicht-weil-es-gerade-in-ist-Variante, sondern es geht ihm sehr schlecht, wenn er auch nur kleine Mengen Gluten zu sich nimmt. Leider findet sich das Klebeeiweiß Gluten in vielen Nahrungsmitteln, vor allem Grundnahrungsmitteln wie Brot oder Nudeln. Fast jedes Getreide enthält Gluten, der Verzicht ist für die Betroffenen eine große Herausforderung. Wenn man, so wie wir, monatelang reist, verkompliziert sich für Zöliakie-Patienten die Ernährung noch mehr. Hier erzählt Mathias, wie er das meistert und gibt Tipps zum glutenfreien Reisen.

Wie ernährst du dich unterwegs?

Morgens esse ich meist glutenfreie Haferflocken, von denen wir einen halben Sack aus Österreich mitgebracht haben. Zwischendurch zum Jausen (dt. vespern) glutenfreies Brot, und ansonsten viel Reis oder Eintöpfe mit Linsen oder Kichererbsen. Eigentlich ernähre ich mich nicht sehr viel anders als daheim, aber es beschränkt sich eher auf die einfachsten Gerichte, weil wir oft nicht großartig kochen können. Glutenfreie Nudeln mit Pesto ist ein Klassiker. 

Wie klappt es, auf 3 Quadratmetern mit jemandem, der Gluten isst? Wie organisiert man sich?

Die andere Person muss Rücksicht nehmen und wissen, was es für Auswirkungen hat, wenn sie nicht gut aufpasst. Man muss super organisiert sein, man muss streng trennen und alles gesondert verpacken und aufbewahren. Wenn man z.B. beim Jausen Brot schneidet, muss man aufpassen, dass man nicht so viel bröselt oder noch Brot mit Gluten am Toaster klebt. Es ist schon alles komplizierter, aber mit Rücksicht geht’s. Schritt für Schritt wird man dann strukturierter und lernt, welcher Ablauf beim Kochen und Essen am besten funktioniert.

Wo bekommt man unterwegs glutenfreie Lebensmittel?

Bisher hat es in vielen Ländern, in denen wir waren, dm gegeben, da bekommt man eigentlich immer eine Auswahl. Und ansonsten in den großen Städten. Generell sollte man, wenn man Zöliakie hat, die größtmöglichen Supermärkte ansteuern, die es gibt. Die haben oft glutenfreie Produkte und manchmal sogar günstiger als bei uns. Ich hab zum Beispiel in einem Supermarkt in Serbien glutenfreie Nudeln für 1,40 Euro pro 400 Gramm gefunden – das ist genial billig. Da lohnt es sich, sich mal durchzuprobieren. 

Hin und wieder haben aber auch kleinere Geschäfte, bei denen man es nicht unbedingt erwartet hätte, ein minimales Sortiment an glutenfreien Sachen.

In welchem Land war es für dich bisher am einfachsten? Und am schwersten?

Am schwierigsten war es bisher in Montenegro, auch weil es sehr teuer war. Am leichtesten war es in Kroatien, da gab es wirklich viel Auswahl.

Welche Situationen sind besonders herausfordernd und wie löst du sie?

Gassparend zweierlei Nudeln auf einem Gaskocher kochen. Wir haben einen Topf und eine Flamme. Daher koche ich erst meine glutenfreien Nudeln, fische sie aus dem Wasser, und damit kann man dann die anderen Nudeln kochen. Das ist etwas umständlich, aber generell gilt bei solchen Problemen: Immer erst alles, was glutenfrei ist, fertig herrichten. Und wenn das auf meinem Teller ist, kann der andere machen, was er will und es gibt keine Kreuzkontamination mehr. Am einfachsten ist es natürlich, wenn der andere auch glutenfreie Nudeln isst, das ist auf Dauer aber ziemlich teuer und man weiß nie, wann und wo man seine Vorräte wieder auffüllen kann.

Wie ist es mit glutenfrei essen gehen?

Das ist eigentlich immer ein Problem, zuhause wie auch im Ausland. Wenn man die Landessprache beherrscht, ist es natürlich einfacher. Jemandem, der einen kaum versteht, zu erklären, dass man Zöliakie hat, ist fast unmöglich. Die meisten kennen das nicht. Idealerweise hat man die Sätze schon bereit und kann erklären, was das Problem ist. Mehl, Gluten – das sind Worte, die man können sollte. Der Keller muss wirklich verstehen, dass kein Gluten im Essen sein darf.

Oder man informiert sich vorher, welche Speisen in dem Land glutenfrei sind. Meistens sind es gegrillte Sachen, Fleisch allgemein geht ganz gut, oder Gemüse oder Kartoffeln. Um auf Nummer Sicher zu gehen, muss man eben viel kommunizieren.

In Novi Sad, in Serbien, haben wir einmal einen Burgerladen gefunden, wo der Kellner wirklich kompetent geantwortet hat. Da hatte ich dann auch keine Bedenken und es hat super gepasst und geschmeckt.

Welche Tipps hast du für andere Zöliakie-Patienten, die monatelang unterwegs sein wollen?

Je nachdem, wie sie reisen: Bunkert so viel, wie möglich! Idealerweise Sachen mit langer Haltbarkeit. Informiert euch vorher, was man wo kaufen kann. Und ansonsten keine Panik: Reis, Mais und Kartoffeln sollten bei jedem Zöliakie-Patienten auf der Speisekarte stehen und das bekommt man überall. Außerdem die Reiseroute so legen, dass man hin und wieder durch größere Städte kommt, wo man auffüllen kann.

Gibt es etwas, das dir total fehlt, seitdem du unterwegs bist?

Kaierschmarrn! Aber vor allem fehlt es mir, sofort auf das zugreifen zu können, auf das ich Lust habe. Durch den begrenzten Platz hat man nicht immer alles dabei und gerade bei glutenfreien Sachen kann es dauern, bis man etwas wieder bekommt.

Vom Transporter zum Zuhause

Viel Energie, Zeit, Nerven und ja, auch Euros, sind in den Ausbau von unserem Bus geflossen. Aber für uns hat sich das schon hundert Mal ausgezahlt.
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